In Lüchow-Dannenberg ist einiges an Sportangeboten abrufbar. Wer will, kann in vielen Variationen spielen, rennen, kämpfen oder im Fitness- und Rehabereich etwas für sich tun. Einige Sportgruppen sind im Stillen tätig, nehmen nicht oder nur selten am Wettspielbetrieb teil oder beschränken sich auf's Training und kommen daher in der Öffentlichkeit nicht so häufig vor. Die EJZ stellt solche sportlichen Gruppen in der Serie "Streifzug" in loser Folge vor. Heute: Badminton.

jw Hitzacker. Rolf Kuczka sieht aus, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Wer sich mit dem Badmintonspieler über seinen Sport unterhält und versehentlich das Wort "Federball" fallen lässt, erntet mindestens ein energisches Kopfschütteln. Das eine habe mit dem anderen wenig bis gar nichts zu tun, betont der Hitzackeraner. "Das sind praktisch zwei verschiedene Sportarten."

Der frisch gebackene C-Trainer muss es wissen. Er bietet den Rückschlagsport Badminton seit einer Weile bei der TSV Hitzacker an. Mit wachsendem Erfolg: Während die schnelle Hallensportart zwar auch bei anderen Abteilungen und Sparten hiesiger Sportvereine auf der Liste steht, aber eher ein Schattendasein fristet und seit geraumer Zeit kaum Zulauf erfährt, ist das Interesse bei der TSV in den vergangenen zwei Jahren spürbar gewachsen. 20, 25 Interessierte seien in der Regel bei den Trainingseinheiten dabei, etwa 15 gehörten zum Stamm, ist Rolf Kuczka zufrieden. Er will künftig auch auf die Schulen zugehen und Kooperationen anbieten, um auch dort für seinen Sport zu werben.

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Ausfallschritt: Rolf Kuczka (links) hat seit Kurzem einen Badminton-Trainerschein und bietet den
schnellen Rückschlagsport bei der TSV Hitzacker an. Zum Aufwärmen gibt es bei den Übungsabenden
unter anderem Schritt- und Schlagkombinationen.

 

Wer nach Kuczkas Regie den handlichen, leichten Schläger schwingt, kommt schnell in Schweiß. Kuczka hat vor Kurzem eine umfangreiche 120-stündige Trainerausbildung abgeschlossen und verfügt nun über den Trainer-C-Schein Breitensport, Richtung Badminton. "Ich wollte eine fundierte Ausbildung anbieten können, darum habe ich den Trainerschein gemacht", sagt Kuczka. Er hat in der großen Halle in Hitzacker mehrere Felder aufgebaut, auf denen sich die Sportlerinnen und Sportler noch vor Übungsbeginn in lockerer Atmosphäre einschlagen. Es folgt ein konzentriertes Aufwärmen in der Gruppe, mit Lauf- und Dehnübungen sowie Schritt- und Schlagfolgen. "Die Fußspitze zeigt in die gleiche Richtung wie der Schlägerkopf", ruft Rolf Kuczka und macht einen langen, energischen Schritt nach schräg-vorne. Danach geht es für Partnerübungen wieder auf die Felder. Ein hoch zugespielter Ball soll im Rückwärtslaufen zurück geschmettert werden, ein Sprint ans Netz, dann der nächste Schmetterversuch, und das Ganze vier, fünf mal. Nach der Schmetterrunde müssen die Badmintonsportler erst einmal durchpusten, bevor die Rollen zwischen Zuspieler und Schläger getauscht werden. Federball am Strand sieht anders aus.

Wenn die schon etwas geübteren TSV-Aktiven kräftig durchziehen und das kleine, nur etwa fünf Gramm schwere Sportgerät gut treffen, zischt der mit Federn bestückte Ball nach einem trockenen, hellen Knall mit beachtlicher Geschwindigkeit über das Netz. Profis beschleunigen das Sportgerät in ihren Partien auf weit mehr als 300 km/h, der Weltrekord in einem Laborversuch liegt gar bei unglaublichen 493 km/h. Durch den Luftwiderstand der Federn bremst der Ball allerdings schnell ab. Badminton gilt dennoch als schnellster Rückschlagsport überhaupt. Bei der TSV geht es zwar nicht ganz so flott zu, doch auch dort ist die Dynamik sofort zu erkennen. Beweglichkeit, Reaktionsvermögen, Schnelligkeit, Koordination, Kondition und Konzentration: All das werde beim Badminton gefordert, sagt Rolf Kuczka. "Ein feiner Sport, ich weiß gar nicht, warum es noch andere Sportarten gibt", schmunzelt der Trainer.

Der Weltrekord liegt bei 493 km/h.

Der Hitzackeraner war schon früher als Badmintonspieler aktiv, sammelte Erfolge bei Punktrunden für Eintracht Clenze und bei Turnieren. Einen offiziellen Spielbetrieb mit Lüchow-Dannenberger Beteiligung gibt es aber schon lange nicht mehr. Vor ein paar Jahren versuchten Badmintoninteressierte, im Rahmen ihrer Trainingsabende eine Hobbyrunde mit Teams aus Hitzacker, Wrestedt, Bevensen, Suderburg und Dannenberg zu etablieren. "Das ist dann aber recht schnell wieder eingeschlafen", erzählt Kuczka. Doch auch ohne organisierte Wettkämpfe sei Badminton eine lohnende Herausforderung. Was den Trainingseffekt angehe, könne kaum eine andere Sportart mithalten, versichert Kuczka. "Badminton trainiert sehr komplex den gesamten Körper und den Geist." Badmintonspieler müssen schnell sein, auch im Kopf. Wer sich gerne im Wettkampf mit anderen messen möchte, könne das immer wieder auch bei Turnieren probieren. In diesem Jahr waren einige Aktive der TSV sowie des MTV Dannenberg bei Meisterschaften in Bodenteich dabei und freuten sich über vier Treppchenplätze. Ein gute Gelegenheit, die Trainingsarbeit in die Praxis umzusetzen, bietet sich im kommenden Jahr, wenn die TSV Hitzacker die gemeinsamen Meisterschaften des Kreisfachverbandes Uelzen/Lüchow-Dannenberg ausrichtet.

Dann ist womöglich auch Kai Brummund dabei, der seit knapp einem halben Jahr bei der TSV in Hitzacker Badminton spielt. Er hatte schon früher beim MTV Dannenberg erste Erfahrungen mit dem Hallensport gemacht, dann eine Weile ausgesetzt und nun wieder Appetit auf mehr bekommen. Auch, weil ihm das Training gefällt. "Da ist Struktur drin, mit einem Aufwärmteil, mit besonderen Übungen. Und die Anleitung ist auch gut", sagt der 30-Jährige aus Breese/Marsch. Ein weiterer Punkt: Auch seine Freundin habe mit dem Badminton angefangen und ebenfalls viel Spaß. Das Zusammenspiel von Frauen und Männern ist ohnehin ein Alleinstellungsmerkmal des Badmintonsportes, zumindest was den Punktspielbetrieb bis auf die höchsten Ebenen bis hin zur Bundesliga angeht. Teams bestehen seit jeher aus Spielerinnen und Spielern, die in Einzel und Doppel sowie im Mixed um Mannschaftspunkte kämpfen.

Frauen und Männer spielen als Team zusammen

Bei der TSV ist das Feld der Aktiven bunt gemischt, die Atmosphäre ist entspannt. Frauen und Männer, Jüngere und Ältere sind gemeinsam als Neulinge oder Wiedereinsteiger dabei oder wollen den Sport einfach einmal ausprobieren. Eine von ihnen ist Wilrun Herrmann. Die 17-Jährige richtet ihren sportlichen Fokus zwar schon länger auf die Leichtathletik, hatte vor etwa zwei Jahren mit ihrer Freundin Mathilde Claus aber "Lust, etwas Neues anzufangen", ist beim Stöbern auf das TSV-Angebot gestoßen und seitdem mit viel Freude beim Badminton dabei. "Es ist ein schöner, vielfältiger Sport und ein guter Ausgleich nach dem Unterricht oder zur Leichtathletik", sagt die Schülerin der Freien Schule. Die Atmosphäre in der großen Gruppe sei nett, es gebe keinen Leistungsdruck, der Spaß stehe an erster Stelle. Allerdings: Schon früher habe sie hin und wieder gerne "Federball auf der Straße" gespielt. Daraus ist mittlerweile Badminton geworden.

Badminton in Lüchow-Dannenberg

Angebote im ganzen Kreis

Der Badmintonsport fristet in Lüchow-Dannenberg ein Schattendasein, was den Wettspielbetreib angeht. Dennoch gibt es bei mehreren Vereinen Abteilungen, die den schnellen Rückschlagsport anbieten. Von Neu Darchau und Hitzacker über Dannenberg und Gartow bis nach Lüchow und Clenze ist praktisch das gesamte Kreisgebiet abgedeckt.

Gut ist die Resonanz zur Zeit bei der TSV Hitzacker, bei der Trainer und Abteilungsleiter Rolf Kuczka (Tel. 0151 44546809) die Trainingsarbeit seit einer Weile erfolgreich forciert und mittlerweile einen Badminton-Trainerschein hat. Interessierte können montags ab 17 Uhr (große Halle) oder freitags ab 17.30 Uhr (kleine Halle am Sportplatz) beim Training vorbeischauen. In Dannenberg wird immer dienstags ab 19.30 Uhr in der Grundschulhalle trainiert, Ansprechpartner sind Oliver Schuhmacher, Sven Küchler oder Hannes Rathje (0176 57739631), die alle einen Trainerassistentenschein haben.

Bei der SV Gartow bietet schon seit vielen Jahren Jürgen Bode (05846 2367) Badminton an, der ebenfalls lizenzierter Badminton-Übungsleiter ist. Die Übungsstunden finden dienstags ab 20 Uhr (Erwachsene) und freitags ab 18 Uhr (Jugendliche/Angaben von der Homepage) in der Turnhalle statt. Darüber hinaus gibt es den schnellen Hallensport auch noch beim SC Lüchow. Ansprechpartner ist Wolfgang Krause (05841 6415), gespielt werden kann mittwochs ab 19.30 Uhr in der großen Halle am Sportplatz. Bei der Clenzer Eintracht können sich Interessierte an Lars Steffens wenden (05844) 975139, der dienstags ab 19 Uhr in der große Halle in Clenze die Übungsstunden leitet. Und in Neu Darchau gibt es eine Badminton-Gruppe um Matthias Kruse (05853 1656), die als BC Schutschur firmiert und sich freitags ab 19.30 Uhr in der Turnhalle trifft.

   
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